DSHNHL-Studie setzt neue Maßstäbe bei der Behandlung rezidivierter aggressiver Lymphome

 

Die ernüchternden Ergebnisse der CORAL-Studie 1, 2 zeigten, dass auch eine Hochdosistherapie mit autologer Knochenmarktransplantation nur wenige junge Patienten mit aggressiven B-Zell-Lymphomen heilen kann, die im Rahmen ihrer Primärtherapie Rituximab erhalten hatten. Die 2-Jahres-Rate des ereignisfreien Überlebens (EFS) betrug bei diesen Patienten nur ca. 20%. Die DSHNHL prüfte daher unter der Leitung von Bertram Glass und Norbert Schmitz von der Asklepios-Klinik St. Georg in Hamburg in der DSHNHL-R3 Studie, ob eine allogene Stammzelltransplantation die düstere Prognose dieser Patienten verbessern kann. 84 Patienten waren in die DSHNHL-R3-Studie eingeschlossen worden, die damit die Allogene-Transplant-Studie mit der größten Patientenzahl weltweit darstellt. Die Ergebnisse der jetzt in Lancet Oncology 3veröffentlichten Studie zeigten, dass die Heilungsraten dieser Patienten im Vergleich zur autologen Transplantation in der CORAL-Studie verdoppelt werden konnten. So betrugen sowohl das progressionsfreie als auch das Gesamtüberleben nach 3 Jahren 40%, bei Patienten, die einen „matched donor“ hatten und mit ATG behandelt wurden, sogar 60%.

Damit stellt der Ansatz der DSHNHL-R3-Studie ein neues und unerwartet wirksames Konzept für die Behandlung von jungen Patienten mit aggressiven Lymphomen dar, die unter einer Erstlinientherapie progredient sind oder nach Erreichen einer Remission rezidivieren. Eine autologe Transplantation scheint bei diesen Patienten nur noch in seltenen Fällen gerechtfertigt. Erhalten die Patienten vor der allogenen Transplantion zuerst eine autologe Transplantation und es kommt dann zu einem erneuten Rezidiv sind die Therapieergebnisse schlechter, es sollte daher bei allen jungen Patienten mit einem rezidivierten oder refraktären aggressiven Lymphom, eine allogene Transplantation mit der DSHNHL-R3 Strategie angestrebt werden. 

Der Ansatz der DSHNHL-R3 Studie wird in der in Kürze anlaufenden ASTRAL-Studie weiterentwickelt. Aufgrund der Datenlage empfehlen wir dringend die Behandlung aller jungen Patienten mit rezidivierten oder refraktären aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen innerhalb dieser Studie. Die an dieser Studie teilnehmenden Zentren mit großer Erfahrung in der allogenen Transplantation dieser Patienten erfahren Sie in den DSHNHL-Studienzentralen in Hamburg, Homburg und Göttingen.

Abb. 1: Ereignisfreies Überleben in der CORAL-Studie (autologe Transplantattion). Blaue Kurve: Patienten mit Rituximab in der Primärtherapie

Abbildung 2: Progressionsfreies und Gesamtüberleben in der DSHNHL-R3 Studie (alle Patienten mit Rituximab in der Primärtherapie).

 

Literatur:

 

     1.    Gisselbrecht C, Glass B, Mounier N et al. Salvage regimens with autologous transplantation for relapsed large B-cell lymphoma in the rituximab era. J Clin Oncol 2010; 28:4184-90.

     2.    Gisselbrecht C, Schmitz N, Mounier N et al. Rituximab Maintenance Therapy After Autologous Stem-Cell Transplantation in Patients With Relapsed CD20+ Diffuse Large B-Cell Lymphoma: Final Analysis of the Collaborative Trial in Relapsed Aggressive Lymphoma. J Clin Oncol 2012; 30:4462-9.

     3.    Glass B, Hasenkamp J, Wulf G et al. Rituximab after lymphoma-directed conditioning and allogeneic stem-cell transplantation for relapsed and refractory aggressive non-Hodgkin lymphoma (DSHNHL R3): an open-label, randomised, phase 2 trial. Lancet Oncol 2014; 15:757-66.