Durchbruch in der Behandlung von Rezidiven aggressiver Lymphome nach Rituximab-Vorbehandlung
Die Einführung von Rituximab hat die Therapie aggressiver B-Zell-Lymphome revolutioniert und den Anteil der Patienten, die an dieser Erkrankung versterben, halbiert. Allerdings stellen Rezidive nach Rituximab-Vorbehandlung ein großes Problem dar, denn hierbei handelt es sich um eine Selektion besonders aggressiver Lymphome. Konnten in der „Prä-Rituximab-Ära“ noch ca. 50% aller Rezidivpatienten mit einer autologen Stammzelltransplantation geheilt werden (Philip et al., 1995), ist die Prognose dieser Patienten nach Rituximab-Vortherapie wesentlich schlechter: Wie die Ergebnisse der CORAL-Studie zeigen liegt das 3-Jahres-Überleben nach Vorbehandlung mit Rituximab bei nur 21% (!) (Gisselbrecht et al., 2010). Dagegen war die Prognose der Patienten nach allogener Transplantation nach myeloablativer Konditionierung in der kürzlich veröffentlichten DSHNHL-R3 Studie deutlich besser, obwohl dabei ein Kollektiv mit wesentlich schlechteren Risikofaktoren als in CORAL rekrutiert worden war (primär refraktäre Erkrankung, Rezidiv <12 Mon. nach Ende der Primärtherapie, Therapieversagen nach autologer Transplantation) (Glass et al., 2014). In der DSHNHL-R3 Studie war das 3-Jahres Überleben 42%, bei Patienten mit einem „full-match“ Spender und ATG als Bestandteil der Konditionierung, wie im Falle unseres Patienten war das 3-Jahres Überleben sogar 66%. Damit war bei aller Zurückhaltung im Vergleich der Ergebnisse getrennt durchgeführter Studien das Überleben nach allogener Transplantation in der DSHNHL-R3 Studie erheblich besser als nach autologer Transplantation in der CORAL-Studie. Daher empfiehlt die DSHNHL bei allen Patienten mit aggressivem Lymphom nach Frührezidiv, primärer refraktärer Erkrankung eine allogene Stammzell-Transplantation nach myeloablativer Konditionierung.
Mit der DSHNHL-R3-Studie hat die DSHNHL wieder einmal mehr eine internationale Vorreiterrolle übernommen. Wir gehen davon aus, dass die Veröffentlichung der überzeugenden Ergebnisse der DSHNHL-R3-Studie weltweit zu einem Umdenken führen wird, und die allogene Transplantation die Standardtherapie für Frührezidive nach und Progresse unter Rituximab-enthaltender Immunchemotherapie wird.
Literatur:
Philip T, Guglielmi C, Hagenbeek A, Somers R, van der Lelie H, Bron D, Sonneveld P, Gisselbrecht C, Cahn JY, Harousseau JL. 1995. Autologous bone marrow transplantation as compared with salvage chemotherapy in relapses of chemotherapy-sensitive non-Hodgkin's lymphoma. New Engl J Med 333:1540-1545
Gisselbrecht, C., B. Glass, N. Mounier, D. Singh Gill, D.C. Linch, M. Trneny, A. Bosly, N. Ketterer, O. Shpilberg, H. Hagberg, D. Ma, J. Briere, C.H. Moskowitz, and N. Schmitz. 2010. Salvage regimens with autologous transplantation for relapsed large B-cell lymphoma in the rituximab era. J Clin Oncol 28:4184-4190.